Bericht vom „Projektbesuch“ in der Sporthalle Bad Bentheim 

25.09.2015

Infoveranstaltung im Landkreis Grafschaft Bentheim

Auf Wunsch der kreisansässigen Kommunen führte der Landkreis Grafschaft Bentheim am 16.09.2015 gemeinsam mit der VBD Beratungsgesellschaft für Behörden mbH eine Informationsveranstaltung zum Neubau der Zweifeldsporthalle am Burg-Gymnasium in Bad Bentheim durch. Diese war in Form einer Gesamtvergabe von Planungs-, Bau und Finanzierungsleistungen schlüsselfertig zum Pauschalfestpreis errichtet worden und ist seit dem Herbst 2014 in Betrieb.

Uwe Fietzek, Erster Kreisrat des Landkreises Grafschaft Bentheim, berichtete in seiner Begrüßung, dass sich die Kreisverwaltung zunächst theoretisch mit neuen Beschaffungsvarianten befasst hätte. Wichtig war aus seiner Sicht, dass man sich dem Thema ÖPP offen und ohne ideologische Vorurteile – weder pro noch contra – genähert habe. Den Neubau der Sporthalle habe man bewusst als Pilotprojekt ausgewählt, um praktische Erfahrungen mit einem ganzheitlichen Beschaffungsansatz sammeln zu können. Diese seien überwiegend positiv. Insbesondere die Erwartungen an Kosten- und Terminsicherheit haben sich erfüllt. Auch zukünftig werde der Landkreis von ÖPP-Modellen Gebrauch machen – nicht als „Allheilmittel“ – sondern nur dann, wenn das Vorhaben dafür geeignet ist und eine Prognoserechnung eine Wirtschaftlichkeit erwarten lässt.

Jens Kelmer, Leiter der Abteilung Innerer Service und zuständiger Projektleiter des Landkreis Grafschaft Bentheim, stellte anschließend das Ausschreibungsverfahren vor und berichtete von den gesammelten Erfahrungen. Für den europaweiten Teilnahmewettbewerb habe man beispielsweise bei der Gestaltung der Auswahlkriterien Wert darauf gelegt, dass sich auch Unternehmen aus der Region ohne ÖPP-Referenzen präqualifizieren können, wenn sie ausreichende Kompetenzen als Generalunternehmer und im Schlüsselfertigbau nachweisen können. Dieser Ansatz sei aufgegangen, drei der sieben ausgewählten Teilnehmer kamen direkt aus dem Landkreis.

Positiv überrascht hätte die Projektgruppe in der Verwaltung, dass die anschließend von den Bietern erarbeiten Architekturentwürfe selbst bei einer Sporthalle sehr unterschiedliche und teils unerwartete Lösungen für Baukörper, Grundrisse und Fassaden vorsahen.

Im Ergebnis des mehrstufigen Verhandlungsverfahrens erhielt schließlich die G. Büter Bauunternehmen GmbH aus Ringe im Landkreis Grafschaft Bentheim den Zuschlag. In Bietergemeinschaft mit örtlichen Planungsbüros hatte das Unternehmen den Entwurf erarbeitet, der die Aufgabenstellung unter funktionalen und architektonischen Gesichtspunkten am besten löste und mit dem angebotenen Pauschalfestpreis gleichzeitig das wirtschaftlichste Preis-Leistungs-Verhältnis gemäß der veröffentlichten Zuschlagskriterien bot.

Die praktische Umsetzung des Entwurfs fasste Jens Kelmer mit folgenden Worten zusammen: „Mit Beginn der Bauphase begann für die Verwaltung eine unproblematische und fast entspannte Zeit. Die Aufgaben beschränkten sich auf Kontrolle der Einhaltung der vertraglich vereinbarten Leistungen sowie auf die Teilnahme an Bemusterungsterminen und regelmäßigen Baubesprechungen. Hier machte sich der Aufwand zur Erstellung der funktionalen Bauleistungsbeschreibung „bezahlt“. Während der gesamten Bauphase blieben Überraschungen aus. Trotzdem konnte auf Änderungswüsche z. B. der Schule eingegangen werden.“

Die Vorteile, nur einen Vertragspartner ohne weitere Schnittstellen zu haben, zeigten sich für den Landkreis nicht nur in der Bauphase, sondern auch, als nach der Abnahme, aber vor Betriebsbeginn der „Supergau“ eintrat. Durch eine Verwechslung bei einem Verbindungsstück im Kaltwasserrohrleitungssystem war ein größerer Wasserschaden entstanden, der den Sportboden irreparabel gemacht hatte. „Anders als bei einer konventionellen Bauweise mit Einzelgewerksvergabe gab es hier nur einen Ansprechpartner. Der Schaden wurde innerhalb weniger Monate komplett behoben“, berichtete Jens Kelmer über die notwendige Sanierung.

Gerrit Büter, Geschäftsführer der G. Büter Bauunternehmen GmbH, berichtete von den Erfahrungen eines mittelständischen Bauunternehmens und bestätigte den reibungslosen Bauablauf. Möglich war das aus seiner Sicht, weil mit dem Ende des Verhandlungsverfahrens und den erfolgten Präzisierungen das Leistungs-Soll und die Aufgaben- und Risikoverteilung eindeutig und abschließend bestimmt war. In seiner Wahrnehmung gab es während des gesamten Verfahrens einen sorgfältigen Abwägungsprozess mit Blick auf eine möglichst wirtschaftliche Lösung, ohne dass unnötige Kompromisse bei den Qualitäten eingegangen wurden. Die Sporthalle in Bad Bentheim sei damit ein gutes Beispiel für einen verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln, den er sich angesichts vieler negativ Beispiel häufiger Wünsche. Er empfahl deshalb eine gründliche Prüfung und Festlegung von Baubudgets für jedes Projekt vor der Entscheidung für eine Umsetzung.

Martin Esch vom Fachbereich Infrastruktur der Deutschen Kreditbank AG stellte anhand verschiedener Praxisbeispiele dar, wie die Finanzierungen bei ÖPP-Modellen gestaltet werden können.

Abschließend informierte Lars Fischer, Senior Consultant und Projektleiter der VBD Beratungsgesellschaft für Behörden mbH, mit welchen grundlegenden Herangehensweisen Kosten- und Terminsicherheit im öffentlichen Hochbau erreicht werden können. Zwei wesentliche Punkte seien dabei eine gründliche und ganzheitlich Vorbereitung mit belastbaren Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen unabhängig von der geplanten Realisierungsvariante und die Verringerung von Schnittstellen im Zusammenhang mit der Übertragung von Planungs-, Bau- und Fertigstellungsrisiken.

Anschließend führte Rüdiger Pretzlaff, Lehrer und Sportobmann des Gymnasiums, durch die Halle und erläuterte die vielen praktischen Details, die dem Kollegium die Arbeit effektiv erleichtern. Gelungen sei dies, weil die Nutzer der Halle bereits ab Projektbeginn intensiv eingebunden waren und ihre Anforderungen sowohl in die Aufgabenstellung als auch in die Bewertung der Entwürfe einbringen konnten.

Die Vorträge der Referenten können auf Anfrage für Vertreter der öffentlichen Hand gern zur Verfügung gestellt werden. In 2016 wird die Veranstaltungsreihe „Projektbesuche“ der VBD fortgesetzt.
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Am fertigen Neubau ist es nicht mehr zu erkennen, welche Herausforderungen das beengte Grundstück für die Architekten darstellte, um alle geforderten Funktionalitäten zu gewährleisten (alle Bild: VBD).
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Kleiner Glasausschnitt, große Wirkung: beim Türklingel muss der Sportunterricht nicht unterbrochen werden (Bild: J. Lüken).
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Durchblick in beide Richtungen: Platz für Zuschauer und Beaufsichtigungsmöglichkeit der Flure aus der Halle (Bild: J. Lüken).
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Bereits während der Vorträge konnten die Gäste die Sporthalle begutachten (Bild: VBD).
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Bei der abschließenden Führung konnte man Details direkt in Augenschein nehmen (Bild: VBD).
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